Das Verbandsland Schweiz & das Ding mit der Transformation

Viele Schweizer Verbände stehen derzeit vor erheblichen strukturellen und inhaltlichen Herausforderungen. Nach aussen wirken sie häufig veraltet, dies zeigt sich sowohl durch den Webauftritt und in der Kommunikation. Dieses Imageproblem schwächt nicht nur die Attraktivität für potentielle neue Mitglieder sondern erschwert auch die Wahrnehmung von Aussen. 

Besonders deutlich wird dies im Bereich der Nutzererfahrung und der Mitgliedergewinnung. Daten sind fragmentiert, Prozesse ineffizient oder überholt, und strategische Entscheidungen werden dadurch erschwert. Ohne eine solide digitale Infrastruktur lassen sich werder Mitgliederbedürfnisse systematisch erfassen noch langfristige Bindungen aufbauen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich zunehmend die Frage nach dem sinnvollen Einsatz neuer Technologien. Künstliche Intelligenz könnte Potenziale bieten, etwa in der Mithgliederverwaltung, der Kommunikation oder der Analyse von Bedürfnissen und Trends. Doch ohne klare Strategie, digitale Grundlagen und Offenheit für Veränderung bleibt auch AI nur ein Schlagwort statt Teil eines echten Fortschritts. 

Viele Verbände und Vereine wirken (von Aussen betrachtet) veraltet. Viele Organisationen sind historisch gewachsen, getragen von Engagement, Kontinuität und Milizstrukturen. Genau diese Stärken werden jedoch zunehmend zur Herausforderung, wenn sich die Erwartungen der Mitglieder und der Öffentlichkeit schneller verändern, als der Verband mithalten kann.

Verbände übernehmen in der Schweiz eine wichtige öffentliche Verantwortung. Sie vertreten Interessen, schaffen Orientierung und leisten einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Rolle verpflichtet. Wer sichtbar, glaubwürdig und wirksam bleiben will, muss sich auch in seiner Kommunikation und seinen Angeboten weiterentwickeln. Der Anspruch an Transparenz, Zugänglichkeit und Service ist gestiegen – und er wird weiter steigen.

Verbandslandschaft Schweiz 1

Doch oft scheitert es bereits an den Grundlagen. Die digitale Nutzererfahrung ist vielerorts nicht auf der Höhe der Zeit. Mitglieder und potenzielle neue Mitglieder finden Informationen nicht oder nur mit grossem Aufwand. Webseiten sind komplex gewachsen, Strukturen unklar, Inhalte schwer zugänglich. Wer sich heute orientieren möchte, erwartet einfache Wege, klare Navigation und relevante Inhalte. Wird das nicht erfüllt, entsteht Distanz statt Bindung.

Diese Distanz zeigt sich auch im Mitgliederschwund, den viele Verbände momentan verkraften müssen. Die klassische Loyalität nimmt ab, die Bereitschaft zur langfristigen Bindung sinkt. Menschen wollen den Nutzen unmittelbar erkennen und erwarten eine Interaktion, welche zu ihrem Alltag passt. Wenn der Zugang kompliziert ist oder der Mehrwert nicht klar wird, entscheiden sich die interessierten Personen oft gegen eine Mitgliedschaft, dies still und ohne Rückmeldung.

Die Verbandsgeschäftsstellen sehen sich aktuell mit personellen Engpässen konfrontiert, die den reibungslosen Ablauf der täglichen Aufgaben erheblich erschweren. Eine hohe Fluktuation, unbesetzte Stellen und die zunehmende Belastung des verbleibenden Teams führen zu Überstunden und Stress. Dies beeinträchtigt nicht nur die Effizienz der internen Prozesse, sondern auch die Qualität der Mitgliederbetreuung und der Verbandsprojekte. Strategische Personalplanung, gezielte Weiterbildungen und Massnahmen zur Mitarbeiterbindung sind dringend erforderlich, um die Arbeitsfähigkeit der Geschäftsstelle langfristig sicherzustellen.

Ein zentraler Schwachpunkt liegt häufig in der Mitgliederverwaltung. Daten sind dezentral organisiert, Systeme nicht miteinander verknüpft, Prozesse manuell und fehleranfällig. Das erschwert nicht nur die interne Arbeit, sondern verhindert auch eine gezielte Ansprache der Mitglieder. Ohne eine konsistente, zentrale Datenbasis bleibt vieles Stückwerk und persönliche Kommunikation wird zur Ausnahme statt zur Regel, denn hierfür fehlt in der Regel die Zeit.

Gleichzeitig rückt das Thema Barrierefreiheit stärker in den Fokus. In einer inklusiven Gesellschaft reicht es nicht, Angebote formal offen zu gestalten. Sie müssen tatsächlich für alle zugänglich sein – unabhängig von technischen, sprachlichen oder individuellen Voraussetzungen. Verbände, die hier nicht mitziehen, laufen Gefahr, Teile ihrer Zielgruppen auszuschliessen.

Und dann stellt sich die Frage nach der Rolle neuer Technologien, insbesondere von künstlicher Intelligenz. AI kann unterstützen: Bei der Strukturierung von Inhalten, bei der Beantwortung von Anfragen, bei der Analyse von Bedürfnissen. Sie kann helfen, effizienter zu werden und Angebote besser auf Mitglieder auszurichten. Doch sie ist kein Ersatz für strategische Klarheit. Ohne klare Prozesse, gute Daten und eine zeitgemässe Organisation bleibt ihr Potenzial unausgeschöpft.

Für schweizer Verbände geht es deshalb nicht nur um Digitalisierung, sondern um ein grundlegendes Umdenken. Tradition und Erneuerung müssen kein Widerspruch sein – aber sie müssen bewusst miteinander verbunden werden. Wer seine Rolle ernst nimmt, muss sich fragen, wie er heute relevant bleibt. Nicht irgendwann, sondern jetzt.

Verbände, welche wir tatkräftig unterstützen:

Sie arbeiten auf der Geschäftsstelle eines Verbandes und haben Ihre liebe Mühe mit Ihren technischen Hilfsmitteln? Dann melden Sie sich direkt bei uns. Gerne begleiten wir Sie Richtung Zukunft.